Sonntag, 12. Februar 2012

27/12/2011 – Keep Calm and … just keep calm!



Also ich habe mir gerade nochmal die Notizen von diesem Tag durchgelesen und ich weigere mich die Ereignisse dieses Tages auszuformulieren. Nein. Keine Chance. Der Tag war … SEHR lang, ZU lang. Wir waren 21h auf den Beinen und was haben wir geschafft? Uns Nachts auf einem Friedhof zu verirren. Das wars. Nein wirklich, mehr ist nicht passiert. Ihr glaubt mir nicht, oder? Jap das kann ich mir denken. Habt aber leider keine Wahl. Mehr schreibe ich nicht. Punkt. Ende der Diskussion!



Na gut. Überredet. Aber sagt nicht ich hätte euch nicht gewarnt.

Angefangen hat das ganze Desaster damit, dass ich morgens um 4.00am das Vibrieren meines Handyweckers für ein Schnarchen von S. gehalten habe. Warum ich dann trotzdem mein Mobiltelefon abgeschaltet habe weiß ich jetzt auch nicht mehr genau. Auf jeden Fall bin ich daraufhin sofort wieder eingeschlafen. Läuft ja alles nach Plan. Der nächste Wecker um 4.15am riss S. aus ihrem Schlaf und sie zwang sich dann auch sofort aufzustehen, da wir einen engen Zeitplan hatten. Zuerst wurde der Herd angemacht und Suppe gekocht. Ja, richtig Suppe. Um genau zu sein 'Spicy Butternut Squash & Sweet Potato Soup' und das um 4.20am. Wir hatten nämlich extra, für die von unserem Großeinkauf übrig gebliebene Suppe, eine Thermoskanne (Merton) gekauft. Während die Suppe friedlich vor sich hin kochte wurden nebenher noch die letzten drei mit Galaxy belegten Bagels gebacken? Gegrillt? Was war das nochmal? Ah, getoastet!

Nachdem unser Reiseproviant fertig und mit allem anderen Zeug gepackt war machten wir uns auf den Weg zum Bus. Auf dem Küchentisch hinterließen wir eines unserer ausgedruckten Bilder mit einer Nachricht an unsere geniale Gastgeberin. Der Plan an der Bushaltestelle hatte uns weismachen wollen, dass der frühste Bus um 5.25am fährt. Als wir dann jedoch pünktlich um 5.23am an der besagten Stelle standen und die elektrische Anzeige uns nur erklärte, dass Aberdeen doch bitte eine saubere Stadt bleiben soll, waren wir schon leicht beunruhigt. Ein paar Minuten später, war der Bus immer noch nicht angeschrieben und auch noch nicht da. Das bedeutete für uns: laufen. Super. Wir hatten ja nicht wirklich schwere Rücksäcke oder noch vier weitere Taschen zu tragen. Es war keine schöne Wanderung. Ok, vielleicht waren es 'nur' 20 Minuten, aber für uns waren es sehr lange 20 Minuten. Am Bahnhof stand unser Zug schon im Gleis. Enthusiastisch gingen wir darauf zu. Mit dem freudigen Gedanken bald auf einem relativ bequemen Sitzplatz in einem warmen Zug zu sitzen drückten wir auf den Knopf. Nichts. Wir probierten es nochmal. Wieder nichts. Der Zug stand einfach nur als Dekoration im Bahnhof. Wahrscheinlich sollte damit gezeigt werden, dass an diesem verdammten Ort tatsächlich irgendwann mal Züge fahren, auch wenn es im Moment nicht so aussieht. Wir ließen uns also auf die nächste Bank nieder und bewegten uns nicht mehr.

Tatsächlich haben wir es irgendwann in den Zug geschafft und uns einen Vierer ergattert. Ich muss zugeben, außer uns und drei oder vier weiteren Personen war niemand in den Zug eingestiegen, also stellte sich der Kampf um einen Platz als quasi nicht existent dar. Wir setzten uns so, dass S. vorwärts fuhr. Zumindest dachten wir das. Der Zug bewegte sich nicht in die Richtung die wir erwartet hatten. War wohl nichts mit 'Ich will vorwärts fahren!'

Unsere gerade erst begonnene Reise wurde sehr bald unterbrochen als uns eine Durchsage mitteilte, dass die Endhaltestelle Keith sei, da zwischen Keith und Inverness ein Baum auf die Gleise gestürzt war und ein Zug bereits dort festhing. In Keith wartete bereits ein Ersatzbus (da sollte sich ein gewisser Verkehrsverbund mal ein Beispiel dran nehmen) und noch bevor wir den Zug verließen stellten wir uns die Frage viele Leute sich in unserem Zug befanden.
S.: 'Wer fährt schon um 6am nach Inverness? Mich würde es wundern wenn hier 10 Leute drin sitzen.'
Als wir alle ausgestiegen waren beschloss ich zu zählen wie viele genau mit uns gefahren sind. Jetzt ratet mal! Mit uns waren es genau 10.
Wir verstauten unsere Reisebegleiter im Kofferraum des Busses und suchten uns einen Platz in der Nähe des Fahrers. Eindeutig ein Schotte. Mit starkem schottischem Akzent. Genau wie die Person mit der er sich über Funk verständigt hat. Oder zumindest haben sie es versucht.

Busfahrer – B, Kollege – K
K: 'Where are you?'
B: 'I'm in Forres.'?
K: 'Where are you?'
B: 'In Forres.'
K: 'Where?'
B: 'I am in Forres. I come from Keith.'
K: 'Are you in Keith?'
B: 'No, I'm in Forres!'
K: 'Where?'

Dieses 'Gespräch' ging dann noch eine Weile so weiter bis der Kollege auch irgendwann verstanden hatte, dass wir uns gerade in Forres befanden. Aber klar wer kennt schon Forres. Nairn ist da schon viel bekannter.
Der Rest unserer 3 Stunden Busfahrt war sonst sehr ereignislos. Wir entdeckten den Baum auf den Gleisen, den Zug der dort noch immer festhing und ein Räumungsfahrtzeug. Zum Glück haben wir nicht den frühsten Bus genommen. Um 9.55am standen wir dann auch schon mit unseren grell leuchtenden gelben Rucksäcken (Regenschutz) vor dem Touristeninformationszentrum in Inverness, dass erst um 10.00 öffnet. Als wären wir nicht schon auffällig genug in dieser Stadt voller Touristen (vor allem bei dieser Jahreszeit). Jetzt waren wir auch noch zu früh. Ein paar Momente später gesellten sich noch weitere Menschen, augenscheinlich Einheimische, zu uns um darauf zu warten, dass das Zentrum bald öffnet.

Im Touristeninformationszentrum wartet dann auch schon ein netter Mitarbeiter namens Ian M. auf uns, der bereit war uns mit allem zu helfen. Wir hatten uns vorher, oder vielmehr S. hatte sich vorher, eine Tour rausgesucht die sowohl Loch Ness als auch das Schloss von Inverness beinhaltete. Als wir jedoch nach dieser Tour fragten stellte sich heraus, dass Loch Ness überflutet war und es deswegen keine Möglichkeit gab es sich anzuschauen. Es wäre aber möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Schloss zu fahren und es selber zu besichtigen. Ein Busfahrplan wurde uns sofort zu Verfügung gestellt. Ian M. Erzählte jedoch auch, dass solche Überflutungen nur ein paar mal im Jahr vorkommen (war doch klar, dass wir einen dieser Tage erwischen) und das die Tour am nächsten Tag wahrscheinlich schon wieder statt findet. Nach kurzer Beratungszeit beschlossen wir direkt nach Glasgow zu fahren und einen Tag abzuwarten. Gesagt. Getan. Wir verließen das Touristeninformationszentrum und machten uns auf den Weg zum Bahnhof an dem wir feststellten, dass wir noch ein bisschen Zeit hatten bis der nächste Zug fuhr.

Also taten wir das was wir am besten konnten: in ein Café sitzen und Cappuccino/heiße Schokolade trinken. Doch ein Hindernis gab es davor noch zu überwinden und zwar das finden der richtigen Eingangstür. S. entschied sich voller Enthusiasmus die Tür zu nehmen an der ein Schild hing auf dem Stand: 'Please use the other door'. Ich habe einfach nur zugeschaut.

Während wir friedlich in unseren Sesseln saßen bildete sich draußen auf dem Bahnhof eine Schlange vor dem Gleis auf das wir auch mussten. Wir bemerkten nichts. Die Schlange wurde länger und länger und machte am Ende eine Schleife durch den ganzen Bahnhof (ich muss zugeben er war nicht so groß). Als ich mich dann in Panik so schnell wie möglich angestellt habe, ohne genau darauf zu achten wo und wie ich stand, habe ich für etwas Verwirrung bei S. gesorgt und dadurch einen Streit zwischen S. und einer alten Dame ausgelöst. An dieser Stelle möchte ich mich nochmal entschuldigen, dass ich den Streit nicht verhindert habe.

Durch unsere eigene Schuld war der größte Teil des Zuges schon voll als wir endlich an der Reihe waren einzusteigen. Also setzten wir uns erst Mal auf den Boden. Doch dort blieben wir nicht lange. Mit der Hilfe eines netten Mannes, der uns ersten seinen Platz anbot und dann, als wir dankend ablehnten, uns zwei Plätze fand auf denen wir es uns bequem machen konnten, wurden unsere Rücken doch noch etwas geschont. Nach einer Weile tauschten wir unsere Sitze jedoch mit einem jungen Paar, damit diese mehr Platz für ihr Baby hatten. Nun waren wir schon 7 Stunden unterwegs und hatten noch nichts geschafft. Als Belohnung genehmigten wir uns unsere Suppe als Mittagsessen.

Auf unsere Reise nach Glasgow mussten wir in Perth umsteigen und dort eine Stunde auf den nächsten Zug zu warten um dann noch eine weitere Stunde zu fahren. Am Bahnhof in Glasgow jedoch wartete schon unser nächster Gastgeber auf uns um uns abzuholen. Was an seiner Jacke blau war verstehe ich zwar immer noch nicht, aber die braune Mütze und das orangefarbene T-Shirt habe ich erkannt (how colourful). Nachdem er uns ein bisschen durch Glasgow geführt hatte machten wir uns auf den Weg zu ihm um unser schweres Gepäck abzulegen. Nun war es schon 6pm (schon 14h wach) und wir hatten noch nicht genug. Wir verabredeten uns mit unserem Host in einem Pub in der Stadt für später und machten uns dann auf den Weg um Glasgow noch ein bisschen zu erkunden.


Kathedrale

Unser ersten Ziel war eine der zwei Kathedralen. Natürlich war diese schon geschlossen und deswegen beschlossen wir um sie herumzulaufen. Hinter der Kathedrale befanden wir uns dann auf einem Friedhof. Es war dunkel und der Himmel war rot. Es war unheimlich. Aber wir haben überlebt. Nach dieser leicht misslungenen Erkundungstour begaben wir uns in Richtung Stadtzentrum. In Richtung Menschen. Viel haben wir nicht mehr gesehen. Es gab einen Weihnachtsmarkt und ein Einkaufzentrum (das finden wir IMMER). 


Weihnachtsmarkt


Denkmal














 














Durch eine SMS wurde uns mitgeteilt, dass ein anderer Pub in der Nähe der Wohnung ausgewählt wurde. Genug gesehen von der Stadt machten wir uns auf den Rückweg. In der Wohnung begegneten wir unserem anderen Gastgeber, ein Deutscher. Dieser begrüßte uns nur mit einem Kopfnicken und seinem Namen. Das war der erste Moment in dem wir dachten: 'DEUTSCH'. Als wir uns im Wohnzimmer niederließen wurde es noch deutlicher. Er lag mehr auf der Couch als er saß, er hatte eine Jogginghose und FlipFlops an, einen dunklen Pulli mit einem Unterhemd drunter und sein Bierbauch war zu sehen. In der Hand hielt er eine Bierflasche die er auf seinem Bauch abgestellt hatte. Als er uns dann auch noch erzählte, dass er Bierbrauer sei waren wir komplett überzeugt, dass er das typische deutsche Klischee ist. Kein Wunder haben alle so eine Bild von Deutschland wenn er dort herum rennt. Nein jetzt mal im Ernst. Er war super nett und wir hätten uns keine besseren Gastgeber wünschen können. Es war schon lange her, dass mich jemand 'Schätzele' genannt hat und irgendwie hab ich das auch vermisst.

Wir hatten dort einen genialen Abend. Der Plan in den Pub zu gehen wurde irgendwie nicht wirklich durchgeführt auch wenn es immer wieder hieß: 'Ok come on let's go.' Unsere Gastgeber waren uns eine große Hilfe bei unserer Entscheidung wohin unsere Reise als nächstes führen sollte. 'Why do you want to run away from Galsgow?' Unsere Diskussion darüber ob wir in Inverness in einem Bahnhof bei einer Möve übernachten sollen blieb leider nicht unter uns, da sie leider auf englisch übersetzt wurde. Dabei haben wir versucht das zu verhindern. Nachdem unser Reiseplan dann stand pflanzten wir uns auf ein Sofa und hatten eigentlich nur noch das Bedürfnis uns auf eine Schlafplatz zu legen bei dem wir unsere Beine ausstrecken konnten. Doch so einfach war das nicht. Unsere Gastgeber oder zumindest einer der beiden (der Glasgower) waren noch kein bisschen müde. Wir redeten und erfanden sogar ein eigenes Spiel. In einem unserer mitgebrachten Weihnachtscracker war ein spiralenförmiger Eierbecher aus Metall drin. Wenn man diesen zusammen drückte und dann losließ flog der ziemlich gut durch die Luft. Wir hatten auch alle unseren Spaß daran. Vor allem aber unser Gastgeber. Er wollte gar nicht mehr aufhören. Nach einer Weile mit diesem sinnfreien Spiel, bei dem auch einige Schüsse kapp am Auge vorbei gingen, machten wir uns um 0.00 bettfertig und schliefen. Nach 21h wach war das auch gar nicht mehr so schwer.

So da habt ihrs. Die gekürzte Version einen unfassbar langen Tages. Jetzt bin ich müde.

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