Also
ich habe mir gerade nochmal die Notizen von diesem Tag durchgelesen
und ich weigere mich die Ereignisse dieses Tages auszuformulieren.
Nein. Keine Chance. Der Tag war … SEHR lang, ZU lang. Wir waren 21h
auf den Beinen und was haben wir geschafft? Uns Nachts auf einem
Friedhof zu verirren. Das wars. Nein wirklich, mehr ist nicht
passiert. Ihr glaubt mir nicht, oder? Jap das kann ich mir denken.
Habt aber leider keine Wahl. Mehr schreibe ich nicht. Punkt. Ende der
Diskussion!
Na gut.
Überredet. Aber sagt nicht ich hätte euch nicht gewarnt.
Angefangen
hat das ganze Desaster damit, dass ich morgens um 4.00am das
Vibrieren meines Handyweckers für ein Schnarchen von S. gehalten
habe. Warum ich dann trotzdem mein Mobiltelefon abgeschaltet habe
weiß ich jetzt auch nicht mehr genau. Auf jeden Fall bin ich
daraufhin sofort wieder eingeschlafen. Läuft ja alles nach Plan. Der
nächste Wecker um 4.15am riss S. aus ihrem Schlaf und sie zwang sich
dann auch sofort aufzustehen, da wir einen engen Zeitplan hatten.
Zuerst wurde der Herd angemacht und Suppe gekocht. Ja, richtig Suppe.
Um genau zu sein 'Spicy Butternut Squash & Sweet Potato Soup' und
das um 4.20am. Wir hatten nämlich extra, für die von unserem
Großeinkauf übrig gebliebene Suppe, eine Thermoskanne (Merton)
gekauft. Während die Suppe friedlich vor sich hin kochte wurden
nebenher noch die letzten drei mit Galaxy belegten Bagels gebacken?
Gegrillt? Was war das nochmal? Ah, getoastet!
Nachdem
unser Reiseproviant fertig und mit allem anderen Zeug gepackt war
machten wir uns auf den Weg zum Bus. Auf dem Küchentisch
hinterließen wir eines unserer ausgedruckten Bilder mit einer
Nachricht an unsere geniale Gastgeberin. Der Plan an der
Bushaltestelle hatte uns weismachen wollen, dass der frühste Bus um
5.25am fährt. Als wir dann jedoch pünktlich um 5.23am an der
besagten Stelle standen und die elektrische Anzeige uns nur erklärte,
dass Aberdeen doch bitte eine saubere Stadt bleiben soll, waren wir
schon leicht beunruhigt. Ein paar Minuten später, war der Bus immer
noch nicht angeschrieben und auch noch nicht da. Das bedeutete für
uns: laufen. Super. Wir hatten ja nicht wirklich schwere Rücksäcke
oder noch vier weitere Taschen zu tragen. Es war keine schöne
Wanderung. Ok, vielleicht waren es 'nur' 20 Minuten, aber für uns
waren es sehr lange 20 Minuten. Am Bahnhof stand unser Zug schon im
Gleis. Enthusiastisch gingen wir darauf zu. Mit dem freudigen
Gedanken bald auf einem relativ bequemen Sitzplatz in einem warmen
Zug zu sitzen drückten wir auf den Knopf. Nichts. Wir probierten es
nochmal. Wieder nichts. Der Zug stand einfach nur als Dekoration im
Bahnhof. Wahrscheinlich sollte damit gezeigt werden, dass an diesem
verdammten Ort tatsächlich irgendwann mal Züge fahren, auch wenn es
im Moment nicht so aussieht. Wir ließen uns also auf die nächste
Bank nieder und bewegten uns nicht mehr.
Tatsächlich
haben wir es irgendwann in den Zug geschafft und uns einen Vierer
ergattert. Ich muss zugeben, außer uns und drei oder vier weiteren
Personen war niemand in den Zug eingestiegen, also stellte sich der
Kampf um einen Platz als quasi nicht existent dar. Wir setzten uns
so, dass S. vorwärts fuhr. Zumindest dachten wir das. Der Zug
bewegte sich nicht in die Richtung die wir erwartet hatten. War wohl
nichts mit 'Ich will vorwärts fahren!'
Unsere
gerade erst begonnene Reise wurde sehr bald unterbrochen als uns eine
Durchsage mitteilte, dass die Endhaltestelle Keith sei, da zwischen
Keith und Inverness ein Baum auf die Gleise gestürzt war und ein Zug
bereits dort festhing. In Keith wartete bereits ein Ersatzbus (da
sollte sich ein gewisser Verkehrsverbund mal ein Beispiel dran
nehmen) und noch bevor wir den Zug verließen stellten wir uns die
Frage viele Leute sich in unserem Zug befanden.
S.: 'Wer fährt
schon um 6am nach Inverness? Mich würde es wundern wenn hier 10
Leute drin sitzen.'
Als wir
alle ausgestiegen waren beschloss ich zu zählen wie viele genau mit
uns gefahren sind. Jetzt ratet mal! Mit uns waren es genau 10.
Wir
verstauten unsere Reisebegleiter im Kofferraum des Busses und suchten
uns einen Platz in der Nähe des Fahrers. Eindeutig ein Schotte. Mit
starkem schottischem Akzent. Genau wie die Person mit der er sich
über Funk verständigt hat. Oder zumindest haben sie es versucht.
Busfahrer
– B, Kollege – K
K:
'Where are you?'
B: 'I'm
in Forres.'?
K:
'Where are you?'
B: 'In
Forres.'
K:
'Where?'
B: 'I
am in Forres. I come from Keith.'
K: 'Are
you in Keith?'
B: 'No, I'm in Forres!'
K: 'Where?'
Dieses
'Gespräch' ging dann noch eine Weile so weiter bis der Kollege auch
irgendwann verstanden hatte, dass wir uns gerade in Forres befanden.
Aber klar wer kennt schon Forres. Nairn ist da schon viel bekannter.
Der
Rest unserer 3 Stunden Busfahrt war sonst sehr ereignislos. Wir
entdeckten den Baum auf den Gleisen, den Zug der dort noch immer
festhing und ein Räumungsfahrtzeug. Zum Glück haben wir nicht den
frühsten Bus genommen. Um 9.55am standen wir dann auch schon mit
unseren grell leuchtenden gelben Rucksäcken (Regenschutz) vor dem
Touristeninformationszentrum in Inverness, dass erst um 10.00 öffnet.
Als wären wir nicht schon auffällig genug in dieser Stadt voller
Touristen (vor allem bei dieser Jahreszeit). Jetzt waren wir auch
noch zu früh. Ein paar Momente später gesellten sich noch weitere
Menschen, augenscheinlich Einheimische, zu uns um darauf zu warten,
dass das Zentrum bald öffnet.
Im
Touristeninformationszentrum wartet dann auch schon ein netter
Mitarbeiter namens Ian M. auf uns, der bereit war uns mit allem zu
helfen. Wir hatten uns vorher, oder vielmehr S. hatte sich vorher,
eine Tour rausgesucht die sowohl Loch Ness als auch das Schloss von
Inverness beinhaltete. Als wir jedoch nach dieser Tour fragten
stellte sich heraus, dass Loch Ness überflutet war und es deswegen
keine Möglichkeit gab es sich anzuschauen. Es wäre aber möglich
mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Schloss zu fahren und es selber
zu besichtigen. Ein Busfahrplan wurde uns sofort zu Verfügung
gestellt. Ian M. Erzählte jedoch auch, dass solche Überflutungen
nur ein paar mal im Jahr vorkommen (war doch klar, dass wir einen
dieser Tage erwischen) und das die Tour am nächsten Tag
wahrscheinlich schon wieder statt findet. Nach kurzer Beratungszeit
beschlossen wir direkt nach Glasgow zu fahren und einen Tag
abzuwarten. Gesagt. Getan. Wir verließen das
Touristeninformationszentrum und machten uns auf den Weg zum Bahnhof
an dem wir feststellten, dass wir noch ein bisschen Zeit hatten bis
der nächste Zug fuhr.
Also
taten wir das was wir am besten konnten: in ein Café sitzen und
Cappuccino/heiße Schokolade trinken. Doch ein Hindernis gab es davor
noch zu überwinden und zwar das finden der richtigen Eingangstür.
S. entschied sich voller Enthusiasmus die Tür zu nehmen an der ein
Schild hing auf dem Stand: 'Please use the other door'. Ich habe
einfach nur zugeschaut.
Während
wir friedlich in unseren Sesseln saßen bildete sich draußen auf dem
Bahnhof eine Schlange vor dem Gleis auf das wir auch mussten. Wir
bemerkten nichts. Die Schlange wurde länger und länger und machte
am Ende eine Schleife durch den ganzen Bahnhof (ich muss zugeben er
war nicht so groß). Als ich mich dann in Panik so schnell wie
möglich angestellt habe, ohne genau darauf zu achten wo und wie ich
stand, habe ich für etwas Verwirrung bei S. gesorgt und dadurch
einen Streit zwischen S. und einer alten Dame ausgelöst. An dieser
Stelle möchte ich mich nochmal entschuldigen, dass ich den Streit
nicht verhindert habe.
Durch
unsere eigene Schuld war der größte Teil des Zuges schon voll als
wir endlich an der Reihe waren einzusteigen. Also setzten wir uns
erst Mal auf den Boden. Doch dort blieben wir nicht lange. Mit der
Hilfe eines netten Mannes, der uns ersten seinen Platz anbot und
dann, als wir dankend ablehnten, uns zwei Plätze fand auf denen wir
es uns bequem machen konnten, wurden unsere Rücken doch noch etwas
geschont. Nach einer Weile tauschten wir unsere Sitze jedoch mit
einem jungen Paar, damit diese mehr Platz für ihr Baby hatten. Nun
waren wir schon 7 Stunden unterwegs und hatten noch nichts geschafft.
Als Belohnung genehmigten wir uns unsere Suppe als Mittagsessen.
Auf
unsere Reise nach Glasgow mussten wir in Perth umsteigen und dort
eine Stunde auf den nächsten Zug zu warten um dann noch eine weitere
Stunde zu fahren. Am Bahnhof in Glasgow jedoch wartete schon unser
nächster Gastgeber auf uns um uns abzuholen. Was an seiner Jacke
blau war verstehe ich zwar immer noch nicht, aber die braune Mütze
und das orangefarbene T-Shirt habe ich erkannt (how colourful).
Nachdem er uns ein bisschen durch Glasgow geführt hatte machten wir
uns auf den Weg zu ihm um unser schweres Gepäck abzulegen. Nun war
es schon 6pm (schon 14h wach) und wir hatten noch nicht genug. Wir
verabredeten uns mit unserem Host in einem Pub in der Stadt für
später und machten uns dann auf den Weg um Glasgow noch ein bisschen
zu erkunden.
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| Kathedrale |
Unser
ersten Ziel war eine der zwei Kathedralen. Natürlich war diese schon
geschlossen und deswegen beschlossen wir um sie herumzulaufen. Hinter
der Kathedrale befanden wir uns dann auf einem Friedhof. Es war
dunkel und der Himmel war rot. Es war unheimlich. Aber wir haben
überlebt. Nach dieser leicht misslungenen Erkundungstour begaben wir
uns in Richtung Stadtzentrum. In Richtung Menschen. Viel haben wir
nicht mehr gesehen. Es gab einen Weihnachtsmarkt und ein
Einkaufzentrum (das finden wir IMMER).
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| Weihnachtsmarkt |
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| Denkmal |
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Durch eine SMS wurde uns
mitgeteilt, dass ein anderer Pub in der Nähe der Wohnung ausgewählt
wurde. Genug gesehen von der Stadt machten wir uns auf den Rückweg.
In der Wohnung begegneten wir unserem anderen Gastgeber, ein
Deutscher. Dieser begrüßte uns nur mit einem Kopfnicken und seinem
Namen. Das war der erste Moment in dem wir dachten: 'DEUTSCH'. Als
wir uns im Wohnzimmer niederließen wurde es noch deutlicher. Er lag
mehr auf der Couch als er saß, er hatte eine Jogginghose und
FlipFlops an, einen dunklen Pulli mit einem Unterhemd drunter und
sein Bierbauch war zu sehen. In der Hand hielt er eine Bierflasche
die er auf seinem Bauch abgestellt hatte. Als er uns dann auch noch
erzählte, dass er Bierbrauer sei waren wir komplett überzeugt, dass
er das typische deutsche Klischee ist. Kein Wunder haben alle so eine
Bild von Deutschland wenn er dort herum rennt. Nein jetzt mal im
Ernst. Er war super nett und wir hätten uns keine besseren Gastgeber
wünschen können. Es war schon lange her, dass mich jemand
'Schätzele' genannt hat und irgendwie hab ich das auch vermisst.
Wir
hatten dort einen genialen Abend. Der Plan in den Pub zu gehen wurde
irgendwie nicht wirklich durchgeführt auch wenn es immer wieder
hieß: 'Ok come on let's go.' Unsere Gastgeber waren uns eine große
Hilfe bei unserer Entscheidung wohin unsere Reise als nächstes
führen sollte. 'Why do you want to run away from Galsgow?' Unsere
Diskussion darüber ob wir in Inverness in einem Bahnhof bei einer
Möve übernachten sollen blieb leider nicht unter uns, da sie leider
auf englisch übersetzt wurde. Dabei haben wir versucht das zu
verhindern. Nachdem unser Reiseplan dann stand pflanzten wir uns auf
ein Sofa und hatten eigentlich nur noch das Bedürfnis uns auf eine
Schlafplatz zu legen bei dem wir unsere Beine ausstrecken konnten.
Doch so einfach war das nicht. Unsere Gastgeber oder zumindest einer
der beiden (der Glasgower) waren noch kein bisschen müde. Wir
redeten und erfanden sogar ein eigenes Spiel. In einem unserer
mitgebrachten Weihnachtscracker war ein spiralenförmiger Eierbecher
aus Metall drin. Wenn man diesen zusammen drückte und dann losließ
flog der ziemlich gut durch die Luft. Wir hatten auch alle unseren
Spaß daran. Vor allem aber unser Gastgeber. Er wollte gar nicht mehr
aufhören. Nach einer Weile mit diesem sinnfreien Spiel, bei dem auch
einige Schüsse kapp am Auge vorbei gingen, machten wir uns um 0.00
bettfertig und schliefen. Nach 21h wach war das auch gar nicht mehr
so schwer.
So da
habt ihrs. Die gekürzte Version einen unfassbar langen Tages. Jetzt
bin ich müde.